{"id":345,"date":"2009-06-17T00:24:28","date_gmt":"2009-06-16T22:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dominik-schoenfeld.de\/?p=345"},"modified":"2009-06-17T00:24:28","modified_gmt":"2009-06-16T22:24:28","slug":"uber-den-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xaeron.de\/?p=345","title":{"rendered":"\u00dcber den Tod"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleiner Diskurs durch meine Wahrnehmung:<br \/>\nIn fr\u00fcheren Jahren war er, der Tod, erschreckend, das Ende aller Tage, das Ende allen Lebens, aller Gef\u00fchle. Und vor allem: Er war meist weit weg. Im Laufe der Zeit \u00e4nderte sich das, man sah ihn h\u00e4ufiger und je h\u00e4ufiger man ihn sah, desto facettenreicher wurde er; von unbarmherziger Langsamkeit bis hin zur gn\u00e4digen und doch \u00fcberraschenden Schnelligkeit hat er viele Spielarten. Aber eines ist doch gewiss: Er ist unausweichlich, geh\u00f6rt zum Leben wie die Geburt oder die Liebe. Und immer h\u00e4ufiger erlebt man ihn dann auch als barmherzigen Erl\u00f6ser, als der, der einen lieben Menschen vor weiteren, endlosen Qualen bewahrt. Das Bild wandelt sich, Fragen nach einen &#8218;Warum&#8216; oder &#8218;Wieso jetzt&#8216; perlen an ihm ab, er zieht weiter seine Runden, ohne Unterlass. Wir Menschen haben uns Wege erdacht, Sterbende aus seinen H\u00e4nden zu rei\u00dfen und zur\u00fcck zu uns Lebenden zu holen, doch h\u00e4ufig bleiben diese bis zu seinem n\u00e4chsten Besuch von dieser Zerrei\u00dfprobe gezeichnet. Man sollte ihm nicht widersprechen, er kann Spuren in uns hinterlassen, die keine Liebe zu heilen vermag. Wenn er ruft, sollte man den Gerufenen gehen lassen und ihm das Gehen so einfach wie m\u00f6glich machen. Er versteht keinen Spa\u00df, er holt sich, den Menschen, den er auserkoren hat, ob dieser will oder nicht. Der Tod ist unbestechlich, l\u00e4sst nicht mit sich handeln und kennt nur eine W\u00e4hrung, die Erinnerung, die Spuren, die ein Mensch hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wir Menschen tendieren ihn zu verdr\u00e4ngen, zu vergessen, erinnert er uns doch st\u00e4ndig daran, dass alles verg\u00e4nglich ist. Er wird auch oft mi\u00dfverstanden, seine blo\u00dfe Existenz soll Antrieb f\u00fcr uns sein, nicht Hindernis. Das hieraus enstandene &#8222;Lebe jeden Tag, als w\u00e4re es Dein letzter&#8220; ist kein Freibrief f\u00fcr Faulheit und Tr\u00e4gheit, nein, es ist Aufforderung an jedem Tag daf\u00fcr zur sorgen, dass man mit sich und der Welt im Reinen ist und man jederzeit bedenkenlos von ihm abgeholt werden kann. Und die uns noch verbleibende Zeit m\u00fcssen wir nutzen um uns und unsere Taten in den K\u00f6pfen anderer unvergessen als gute Erinnerungen zu hinterlassen, eben Spuren zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Er ist auch nicht das Ende allen Lebens, aller Gef\u00fchle. Er ist Endpunkt eines Abschnittes und Ausgangspunkt eines neuen. Mit ihm verschwinden Gegebenheiten, mit ihm kommen neue zum Vorschein. Wir k\u00f6nnen mit ihm hadern, doch verstellen wir uns selbst mit diesem Hadern manchmal auch die Sicht auf Neues. Da wir weder \u00fcber das Wissen noch das Verm\u00f6gen verf\u00fcgen seine Entscheidungen zu beeinflussen, m\u00fcssen wir uns mit ihnen arrangieren und jeden Tag daran arbeiten, dass man uns, sollte er uns spontan abholen, in guter, dauerhafter Erinnerung hat. Er ist die wahre Kausalit\u00e4t des &#8222;carpe diem&#8220;. Auf einmal hat er ein g\u00e4nzlich anderes Gesicht als zu Anfang. Ich merke, er geh\u00f6rt dazu und er verdient respektiert zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleiner Diskurs durch meine Wahrnehmung: In fr\u00fcheren Jahren war er, der Tod, erschreckend, das Ende aller Tage, das Ende allen Lebens, aller Gef\u00fchle. Und vor allem: Er war meist weit weg. 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