{"id":610,"date":"2009-11-15T13:38:24","date_gmt":"2009-11-15T12:38:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xaeron.de\/?p=610"},"modified":"2009-11-15T13:42:52","modified_gmt":"2009-11-15T12:42:52","slug":"robert-enke-ein-tod-der-viele-bewegt-aber-wie-nachhaltig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xaeron.de\/?p=610","title":{"rendered":"Robert Enke: Ein Tod, der viele bewegt, aber wie nachhaltig?"},"content":{"rendered":"<p>Robert Enke nahm sich das Leben. Als man diese Schlagzeile las, ahnte man an diesem Abend kaum, welche Wellen der Emotionen und Trauer das ausl\u00f6sen wird. Gerade ist die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/sport\/fussball\/0,1518,661376,00.html\" target=\"_blank\">\u00f6ffentliche Trauerfeier<\/a> zu Ende gegangen; sie muss w\u00fcrdevoll und bewegend gewesen sein. Angesehen habe ich sie nicht, denn es m\u00fcsste eigentlich jeden Tag mindestens 20 solcher Feiern geben.<!--more--><\/p>\n<p>Meine erste von den vielen anderen abweichende Wahrnehmung konnte ich schon am Mittwoch erkennen. Dort stellte sich Teresa Enke dem medialen Wahnsinn und berichtete. Sie berichtete \u00fcber \u00c4ngste, Zweifel, sie berichtete aus dem Leben, dem, was sie in den vergangenen sechs Jahren erlebt hatte. F\u00fcr viele Kommentatoren war sie stark und man zollte ihr Respekt f\u00fcr diesen Auftritt. Den Respekt zolle ich ihr auch, aber ich denke, es war dieses Sich-der-\u00d6ffentlichkeit-Stellen was sie stark machte &#8211; sich endlich mitteilen zu k\u00f6nnen. Als selbst als Angeh\u00f6riger vom Thema Depressionen Betroffener sehe ich offensichtlich einiges anders, als die breite Masse. Denn um den Tod ihres Mannes zu verkraften braucht die Witwe Teresa Enke viel Kraft, aber das \u00fcberwiegt vermutlich nicht die Kraft und die Substanz die sie in all den K\u00e4mpfen, den R\u00fcckschl\u00e4gen in den zur\u00fcckliegenden Jahren ben\u00f6tigt hat, um ihrem Mann mit Liebe und F\u00fcrsorge immer wieder neu aufzurichten, ihm neue Kraft zu geben und neue Perspektiven mit ihm auszumalen. Die H\u00f6lle ist nicht der Abschied, die H\u00f6lle ist der Weg dorthin.<\/p>\n<p>Und nun auf einmal schafft es ein Thema mal nach oben, was sonst ein Tabuthema aller erster G\u00fcte ist: Depressionen. Der Spiegel tituliert es als <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/0,1518,660966,00.html\" target=\"_self\">Volkskrankheit<\/a> und das, was sich in den letzten Tagen bei all den Menschen an Betroffenheit zeigte kann, denke ich, nur mit dem Promibonus verstanden werden. Denn die Frage ist doch, wie reagiert ein Vorgesetzter im Februar kommenden \u00a0Jahres, wenn ihm eine Mitarbeiterin anvertraut, dass sie sich kaum mehr wagt, das Haus zu verlassen, zusammenzuckt und Angstschwei\u00df auf der Stirn stehen hat, wenn das Telefon klingelt. Wird er sich an Robert Enke erinnern und medizinische Hilfe organiseren oder es als \u00dcberarbeitung bzw. mit einem &#8222;die hat doch einen an der Klatsche, wusste ich schon immer&#8220; als Spinnerei abtun. Und irgendwann nimmt sie sich dann wie wohl knapp 10.000 andere Menschen jedes Jahr das Leben. Die meisten Mitmenschen sind dann genauso vom Donner getroffen, wie jetzt bei Robert Enke einfach viel mehr, und verstehen es nicht. Aber \u00e4ndern wird sich auch nichts.<\/p>\n<p>Es sind jedoch diese kleinen, ganz seltenen Einblicke, die uns die Betroffenen geben, die uns alarmieren m\u00fcssten. Doch f\u00fcr sowas haben wir einfach keine Zeit; so wie wir auch Zeit f\u00fcr mindestens t\u00e4glich 20 solcher Trauerfeiern f\u00fcr die gesch\u00e4tzten 10.000 depressionsbedingten Suizide haben m\u00fcssten, wenn wir sie genauso ernst nehmen w\u00fcrden; so wie die des Robert Enke. Bleibt also nur zu hoffen, dass bei all den jetzt betr\u00fcbten Mitmenschen etwas mehr zur\u00fcckbleibt, als nur das Unverst\u00e4ndnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Enke nahm sich das Leben. Als man diese Schlagzeile las, ahnte man an diesem Abend kaum, welche Wellen der Emotionen und Trauer das ausl\u00f6sen wird. Gerade ist die \u00f6ffentliche Trauerfeier zu Ende gegangen; sie muss w\u00fcrdevoll und bewegend gewesen sein. 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