Steigender Benzinpreis – Fluch oder Segen

Provokante Frage, aber welche Auswirkungen hätte das tatsächlich? Und: Wie wird sich der Benzinpreis entwickeln?

Zuallererst muss man vermutlich mit einer immer wieder mitschwingenden Hoffnung abschließen: Die Chancen, dass der Rohöl- und damit auch der Benzinpreis jemals wieder bedeutsam fallen wird, sind verschwindend gering. Das hat nach meiner Wahrnehmung zwei Kernursachen:

Einerseits resultiert ein wesentlicher Anteil der jüngsten Preisentwicklung aus rein spekulativen Preiswetten auf den Rohölpreis. Man könnte auch von Warentermin- oder Kurssicherungsgeschäften sprechen, aber am Ende des Tages sind es schlicht und ergreifend Wetten. Und das bedeutet? Konzerne wie z. B. die Lufthansa sichern sich heute schon Kerosinpreise für die kommenden 24 Monate. So macht die Lufthansa das für sich selbst betrachtet bereits seit Jahren sehr erfolgreich und konnte damit ihren Ertrag und somit die Dividende für ihre Aktionäre positiv und insbesondere relativ neutral vom steigenden Rohölpreis steuern.

Doch diese positive mikroperpektivische Wirkung hat in der Summe der globalen Auswirkung bei den übrigen Verbrauchern zu steigenden Preisen geführt. Und da man in diesem Markt richtig Geld verdienen kann, tummeln sich da jetzt Konzerne und milliardenschwere Spekulanten. Tolle Sache, nicht? Tja und da in absehbarer Zeit solche spekulativen Geschäfte weder untersagt noch mittels einer Transaktionssteuer unattraktiver werden, bleibt diese treibende Kraft für Preissteigerungen wohl erhalten.

Andererseits prognostizierte der Club of Rome bereits in den Siebzigern, die Auswirkungen einer ganz simplen Situation: Die weltweiten Erdölvorkommen sind endlich; irgendwann wird uns das Rohöl langsam aber sicher ausgehen. Und das dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach in den kommenden 50-70 Jahren der Fall sein. Die Auswirkungen durften wir schon vergangenes Jahr 2010 im Golf von Mexiko erleben: Die Folgen der Katastrophe der Deepwater Horizon gehen doch ganz schlicht darauf zurück, dass Konzerne wie BP auf dem Festland kaum mehr verwertbare Ölquellen finden. Somit werden für Hunderte von Millionen Dollar oder Euro extrem riskante Tiefseebohrungen gestartet. Und jetzt die entscheidende Frage: Wer zahlt diese gigantischen Kosten und wer zahlt am Ende des Tages die Milliarden aus dem Disaster in 2010? Richtig, wir über den Rohöl- und Benzinpreis. Daneben wird ein Gut mit abnehmender Verfügbarkeit ganz automatisch teurer.

Damit können wir uns von sinkenden Benzinpreisen also verabschieden. Was dann?

Wer es jetzt noch nicht verstanden hat, für den nochmal ganz klar: Wir müssen unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zügigst reduzieren. Natürlich macht mir ein Benzinpreis von 1,70 EUR/Liter auch keine Freude. Andererseits scheint der Kraftstoff noch nicht ausreichend teuer zu sein. Beispiele? Solange es noch immer billiger ist, Nordseekrabben zum Pulen nach Nordafrika zu fahren oder für Matjes in Sahne der Fisch in der Nordsee gefangen, anschließend in Polen mit deutschen Äpfeln verarbeitet und dann bei uns wieder verkauft wird, solange kann Diesel wohl noch nicht zu teuer sein. Solange sich Menschen nach nem dicken, lauten Auto und nicht nach den sparsamsten Autos umdrehen, ist Benzin noch nicht teuer genug.

Daneben tun wir uns doch selbst auch einen Gefallen, wenn wir auf Sparsamkeit und erneuerbare Energien umsteigen: Keine Abhängigkeiten von arabischen Öl- oder russischen Gasquellen. Eine vergleichsweise unabhängige Versorgung könnte diese Abhängigkeiten beenden. Ebenfalls sollte ein steigender Benzinpreis den Erfindungsreichtum ganzer Industrien befördern, uns extrem sparsame Autos, LKWs oder Heizungen zu entwickeln. Das müssen auch irgendwann die deutschen Automobilhersteller einsehen, denn in nicht allzuferner Zeit, wird die Kundengruppe, die sich Autos mit Verbrauchswerten von mehr als 8 l/100km leisten können und wollen auch wieder rapide abnehmen.

Zeit für einen Wandel also.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“
Chin. Weisheit

3 Kommentare

  1. Ja, das Ölfördermaximum läßt grüßen – und die Preise steigen. Wegkommen vom Öl, das ist die absolute Notwendigkeit. Mal sehen, wann die Diskussion darüber beginnt…

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